[N.] KOLLMBACHER

(tätig um 1740)

 

 


 

 

  Zwei architektonische Entwürfe

für die Kapelle in Pribislawitz (Pribyslavice)

im Bezirk Trebitsch (Trebíc) in Mähren

 

 

 

a) Aufriß der Kapelle

 

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Feder in Braun, aquarelliert, bezeichnet: "Profillum pro Capella Przybislaviensi in Moravia" // "D(a)s Profill= od(er) Durchschnitt auf die Capel Ihro hochgräfl(icher) Excell(enz) Collaltisch Herrschafft Pirnitz zu Przybislavitz in Marggraffthumb Mahr(en) / Delineatio Capellae erigendae Przibislavii in Dominio Ill(ustrissi)mi et Excell(entissi)mi Comitis des Collalto in Marchionatu Moraviae", horizontale und vertikale Faltspuren, die seitlichen Ränder leicht gebräunt; 45:33,8 cm.

(1734)

 

 

 

b) Grundriß der Kapelle

 

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Feder in Braun, rot und grau aquarelliert, bezeichnet: "Templum infrale / Die Kirch inwendig / Ecclesia abintus" // "Die Mauer von der alten Kirchen. / ex antiquo templo aedificatio. / antiquae Ecclesiae Murus" // "Forma seu depitio modelli pro Capella Przibislavize / Der grundt Rieß auf die Capel zu Brzybislawitz. / Typus Capellae Przibislavicensis", horizontale und vertikale Faltspuren, etwas gebräunt; 45,2:33,8 cm.

(1734)

 

 

Die beiden Zeichnungen sind die Entwürfe für eine Kapelle in Pribislawitz (Pribyslavice), Bezirk Trebitsch (Trebíc), in Mähren, die Antonio Rambaldo Graf von Collalto (1681-1740), Besitzer der Herrschaft Pirnitz, zu der Pribislawitz gehörte, im Jahr 1734 von dem aus Iglau (Jihlava) stammenden Baumeister Kollmbacher errichten ließ. 1764 wurde als Erweiterung dieser Kapelle die Pfarr- und Wallfahrtskirche Mariä Himmelfahrt erbaut (Handbuch der historischen Stätten. Böhmen und Mähren, 1998, p.494).

 

"Die neue Kirche von Pribislawitz wurde an die linke Mauer der alten Kirche angebaut. Der Grund für den Neubau war, daß an der Außenwand dieser Kirche ein altes gezeichnetes Bildnis der Jungfrau Maria unbeschädigt blieb, obwohl ringsherum die ganze Mauer abgefallen war. 1734 ließ Graf Anton Rombald Collalto eine Kapelle erbauen. Seit dieser Zeit wurden zu diesem Bildnis Wallfahrten veranstaltet und jährlich kamen an die 40.000 Besucher. Daher hat Graf Thomas Vinciguerra Collalto 1764 diese Kapelle in eine Pfarrkirche umbauen lassen" (Frant. Dvorský, Vlastiveda Moravská [Heimatkunde Mährens], Trebický okres [Bezirk Trebitsch], Band II/66, 1906, p.350, Übersetzung).

 

Die aus Friaul (Italien) stammenden Grafen Collalto hatten seit der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts reichen Besitz in Mähren, den Kaiser Ferdinand II. dem General und Präsidenten des Hofkriegsrates Rambaldo von Collalto (1570-1630) geschenkt hatte.

 

Antonio Rambaldo von Collalto (San Salvatore di Collalto 1681 – Pirnitz 1740), Reichsgraf, kaiserlicher Kämmerer, Majoratsherr der Herrschaften Pirnitz, Rudoletz und Cerna in Mähren; seit 1708 mit Eleonora Gräfin Starhemberg verheiratet; zwischen 1715 und 1725 ließ er die Fassade des Collalto-Palais in Wien (Am Hof) erneuern (Czeike, Historisches Lexikon Wien, 1, p.585); 1730 außerordentlicher Botschafter Kaiser Karls VI. beim Konklave, in dem Papst Klemens XII. gewählt wurde. Am kaiserlichen Hof und im öffentlichen Leben spielte Antonio Rambaldo Collalto keine sehr große Rolle, auch wenn um 1730 in diplomatischen Kreisen Roms das Gerücht auftauchte, daß er zum Vizekönig in Neapel oder zum Gouverneur in der Lombardei ernannt werden sollte. Seine Ambitionen waren privater, literarischer und gelehrter Natur. Der Graf war mit dem Wiener Hofdichter Apostolo Zeno (1668-1750) befreundet und stand mit dem bedeutenden italienischen Gelehrten Lodovico Antonio Muratori (1672-1750), der als Archivar und Bibliothekar in Modena lebte, in einem mehr als zwanzigjährigen Briefwechsel (Pier Angelo Passolunghi, I Collalto, 1987, pp.91-96 und pp.252-255; Dizionario Biografico degli Italiani, XXVII, 1982, pp.770-780).

 

 

 

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